Veröffentlicht am

Autorin

Dänische Kolonialpolitik in Grönland I

Um die aktuelle politische Diskussion in Grönland zu verstehen, über die ich regelmäßig in diesem Blog berichten möchte, ist etwas Hintergrundwissen über die dänische Kolonialpolitik hilfreich.

Dänemark schickte erstmals im Jahr 1721 Missionare und Händler auf die 3000 Kilometer entfernte Insel Grönland. Im Gegensatz zu den amerikanischen Kolonien bestand niemals ein großes Interesse von weißen Siedlern, sich dort Lebensraum zu schaffen. Den Händlern ging es um die Rohstoffe, den Missionaren darum, das Christentum zu verbreiten. Deshalb kam es in Grönland nicht zu einer Vernichtungs- und Vertreibungspolitik gegenüber den Inuit. Die Inuit wurden ja gebraucht für den Handel mit wertvollen Rohstoffen wie Robbenpelzen, Waltran, Walbarten (für Korsetts) und Narwal-Elfenbein.

Dies führte schnell zu massiven Konflikten zwischen den Händlern und Missionaren. Die Missionare wollten die Inuit an ihre Missionsstationen binden, indem sie sie mit Lebensmitteln versorgten. Pragmatisch gesehen war es für die Inuit attraktiv, Essen geschenkt zu bekommen statt unter Lebensgefahr zu jagen. Da dies den Interessen der Händler widersprach, versuchten sie gemeinsam mit dem dänischen Staat, das durch Ansiedlungs-Verbote zu verhindern. Obwohl sie grundsätzlich die Absicht unterstützten, die Inuit zu Christen zu machen, sollten diese weiter Wale und Robben jagen, an denen sich der Handel bereichern konnte.

So wurde der Grundstein zu einer zwiespältigen Kolonialpolitik gelegt: Die dänische Regierung versuchte, die Inuit in ihrer traditionellen Lebensweise und isoliert von Kontakten mit Weißen anderer Nationen zu halten. Die Missionare wollten die Inuit durch Nahrungsmittel, Unterricht und die Ausbildung zu Priestergehilfen an sich binden.

Darüber in meinem nächsten Blog mehr.